„Manchmal denke ich, man muss Kriminalromane schreiben, um die Gesellschaft zu verstehen.“
Mit diesem Satz eröffnete Bestseller-Autor Wolfgang Schorlau gestern Abend den Campus Talk in Nürtingen.
Über 70 Teilnehmende – junge Studierende, MBA-Studierende, managementinteressierte Gäste sowie Leser:innen der Dengler-Romane – kamen zusammen, um einen Autor zu erleben, der Literatur nicht als Unterhaltung, sondern als Analyseinstrument versteht.
Schorlau, bekannt für seine politisch recherchierten Dengler-Romane, entwickelt seine Stoffe aus investigativer Recherche, Gesprächen mit Insidern und der systematischen Durchdringung gesellschaftlicher Konfliktfelder.
Was im Gespräch deutlich wurde: Der Entstehungsprozess eines guten Kriminalromans folgt einer bemerkenswert präzisen Managementlogik.
- Relevanz vor Aufmerksamkeit: Themen werden danach ausgewählt, ob sie gesellschaftliche Spannungsfelder offenlegen – nicht nach kurzfristiger Wirkung.
- Analyse vor Meinung: Recherche heißt: systematisches Durchdringen von Material, Perspektiven und Machtstrukturen.
- Struktur vor Zufall: Narrative folgen Ordnungsprinzipien. Komplexität wird nicht reduziert, sondern gerahmt.
- Kritik als Systembestandteil: Das Lektorat fungiert als institutionalisierte Qualitätskontrolle. Reibung ist kein Störfaktor, sondern Voraussetzung.
Gerade für MBA-Studierende waren diese Impulse enorm wertvoll: Sie zeigen, wie Analyse, Struktur und Narrativ zusammenwirken – und warum gutes Management ohne die Fähigkeit, Komplexität verständlich zu erzählen, kaum denkbar ist.
Der Abend hat eindrucksvoll gezeigt, dass Literatur und Management sich eine zentrale Aufgabe teilen – die Transformation von Komplexität in handlungsfähige Narrative. Handlungsleitende Narrartive sind ein zentraler Hebel im Strategischen Management zur Strategieumsetzung.
Vielleicht ist die eigentliche Frage also nicht, ob es „Krimi-Management“ gibt, sondern ob gutes Management ohne klares Narrativ überhaupt möglich ist.



